Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) bei kleinem Nebenverdienst

Bei vielen kleineren Unternehmen (”Ich-AG”, 1-Mann/Frau-Betriebe, Nebengewerbe etc.) stellen sich immer wieder folgende Fragen:

  • Bin ich mit meinem Kleingewerbe umsatzsteuerpflichtig?
  • Falls nein, macht eine freiwillige Option zur Umsatzsteuer Sinn?

Zunächst einmal müssen wir klarstellen, dass der Begriff des “Unternehmers im Sinne der Umsatzsteuer” viel weiter gefasst ist, als man zunächst annehmen dürfte! Unternehmer nach dem Umsatzsteuergesetz ist

“… wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig ausübt.

Weiter heißt es im Gesetz:

“Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen

Hoppla! Das heißt im Klartext: jeder Arzt, jeder Vermieter einer Wohnung, jeder kleine Kioskbetreiber, jede selbständig tätige Putzfrau oder Kinderbetreuerin ist zunächst einmal Unternehmer und unterliegt dem Grunde nach den Vorschriften des Umsatzsteuergesetzes!

Ob tatsächlich Umsatzsteuer anfällt, entscheidet sich erst auf einer weiteren Stufe. Zum einen gibt es Steuerbefreiungen für bestimmte Leistungen. Die Umsatzsteuer belastet ja im Ergebnis den Endverbraucher. In jedem Produkt, welches wir einkaufen, bezahlen wir dem Supermarkt Umsatzsteuer, welches dieser dann an das Finanzamt abzuführen hat. Der Gesetzgeber möchte aber gewisse Leistungen und Produkte nicht mit Umsatzsteuer belasten. Die bekanntesten Steuerbefreiungen betreffen die Tätigkeit der Ärzte und die Vermieung von Immobilien.

Neben diesen sachlichen Ausnahmen, gibt es eine weitere wichtige Ausnahme von der Umsatzbesteuerung: die Kleinunternehmerregelung.

Wer im vorangegangen Jahr nicht mehr als Euro 17.500,00 an Einnahmen erzielt hat und im laufenden Jahr nicht mehr als Euro 50.000,00 erzielen wird, braucht keine Umsatzsteuer abzuführen und nimmt auch nicht am Voranmeldungsverfahren teil. Man muß also die Grenze von 17.500 Euro dauerhaft unterschreiten, wenn man von der Umsatzsteuer unbehelligt bleiben will!

Auf diese Regelung kann der Unternehmer aber verzichten und zur Normalbesteuerung optieren. Warum sollte er das tun? Ganz einfach: bei der Abrechnung der Umsatzsteuer ggü. dem Finanzamt kann der Unternehmer die ihm von anderen Unternehmern in Rechnung gestellte Umsatzsteuer (”Vorsteuer”) in Abzug bringen und sich einen evt. Vorsteuerüberschuß von der Finanzkasse auszahlen lassen.

In aller Regel lohnt sich der Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung nur, wenn auch vorsteuerbelastete Eingangsleistungen anfallen. Wer bspw. sein Warenlager erst richtig auffüllen muß oder sein Geschäft mit Inventar einrichten muß, bevor er Umsätze tätigen kann, könnte ein Kandidat für die Option zur Regelbesteuerung sein. Achtung: wer dann aber seine Leistungen an Endverbraucher abgibt, muß in seiner Preiskalkulation die Umsatzsteuer berücksichtigen! Wird dies vergessen, führt die Umsatzbesteuerung zu einer empfindlichen Ertragseinbuße! Zu berücksichtigen ist auch der erhöhte Verwaltungsaufwand durch die monatliche Anmeldung und Abführung der Umsatzsteuer.

Wer Leistungen im wesentlichen in eigener Person erbringt, so dass Sachmittel nur geringfügig für den Umsatzprozess benötigt werden, der kann getrost von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen.

Hat man sich einmal für die freiwillige Option zur Umsatzsteuer entschieden, ist man allerdings hieran für 5 Jahre gebunden!

Wegen der erheblichen Auswirkungen der oben beschriebenen Entscheidung sollte jeder Unternehmer in spe hierzu ein kurzes Gespräch mit seinem Steuerberater führen.

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Comments

One Response to “Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) bei kleinem Nebenverdienst”
  1. Udo M. says:

    Danke für diese gute Übersicht zum Thema Umsatzsteuer! Viele Kleinunternehmer verzweifeln regelmäßig an der Stauerfrage… Bei bwr-media.de habe ich auch sehr wertvolle Tipps zum Thema gefunden. Es ist eien Anleitung, den individuellen Grenzwert für die Umsatzsteuerbefreoiung zu ermitteln – sehr praktisch!

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